Halbrund um Ennepetal

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Drei Stunden Schlaf, 32 Grad im Schatten und ein Problem mit dem Magen. Man kann ja alles mit mir machen, aber Magen, Hitze und Schlafmangel sind mein Kryptonit. Zumindest, wenn es alles gleichzeitig auf mich herniedergeht. Was blöd ist, wenn man eigentlich gerade einen Ultratrail laufen will. Wenigstens war es einer mit zahlreichen Ausstiegsoptionen.  „Halbrund um Ennepetal“ weiterlesen

Trastesse Royale – Der RZR-Ultra am 6. August 2016

Man nehme: zwei Laufbekloppte, mindestens einer davon langstreckenbekloppt, einen gemeinsamen freien Tag an einem Augustwochenende, etwas zu viel verbrachte Zeit auf der Seite des Ruhrtalradwegs, lasse das Ganze ab Februar ein wenig ziehen – und fertig ist der gereifte Plan, die komplette Länge eines Rundradwanderweges abzulaufen – na, vielleicht noch einen Hauch mehr Beklopptheit. Irgendwo im Lager der Zukunft lagern all die zukünftigen Tage, die wir geplant oder nicht geplant haben und werden just zu dem Moment, den wir Gegenwart nennen, in die lange Reihe der vergangenen und kommenden Tage eingefügt; sei ein Tag auch noch so fern, er wird irgendwann kommen. Und gehen. Unwiderbringlich. Wir können uns nur daran erinnern und eventuell ein Denkmal für ihn aufrichten.

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Nicht perfekt, aber wirklich gut: der Hoka One One Clayton

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Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich von einem meiner anderen, schwer gepolsterten Hokas umsteige auf diesen deutlich dynamischeren, aber nicht weniger komfortablen Schuh (was ich momentan noch selten tue, wie ich unten beschreiben werde): nicht nur das deutlich feschere Aussehen dieses Schuhs, vergleicht man ihn mit anderen Langstreckenmodellen wie dem Clifton oder dem Stinson, sondern auch die andere Dynamik des Schuhs wissen durchaus zu begeistern. Beim ersten Antritt bereits wird deutlich, dass Hoka im Fersenbereich weiterhin auf eine weiche Polsterung setzt, während der Mittelfußbereich wesentlich straffer aufsetzt, als die durchgehend weichen, o.g. Modelle des französischen Maximalschuhherstellers.

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Die schnelle Ausdauerziege: Hoka One One Speedgoat

Laaange, laaange habe ich darauf gewartet, diesen Schuh an die Füße zu bekommen! Nach einem Winter mit den Salomon Speedcross 3 habe ich am linken Fuß Probleme mit dem Innenband bekommen, so dass ich mich auf die Suche nach einer Alternative mit ähnlich aggressiver Sohle machen musste. Nach ersten, positiven Hoka-Erfahrungen mit dem Stinson 3 ATR und einem Frühling auf Asphalt (da Tortour de Ruhr und der Vivawest-Marathon anstanden) entschied ich mich schließlich, diesen hochgelobten, unter Mitwirkung der Ultratrail-Legende Karl “Speedgoat” Meltzer entwickelten Trailschuh anzuschaffen. Was gar nicht so einfach war. Aber nach einigen Wochen war es dann endlich so weit und ich konnte den Schuh zum ersten Mal für einen Traillauf an meine Füße schnüren.

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Schlicht, gutmütig und ausdauernd – Der Hoka One One Stinson 3 (ATR)

Als ich nach dem Tortour-Trainingslauf Ende Februar mit gehörigen Sprunggelenks-Problemen zu kämpfen hatte, war klar: es muss mehr Dämpfung her. Bei der Vorbereitung auf meine Paceraufgabe und den eine Woche später stattfindenden Vivawest-Marathon erwies sich die Anschaffung des Stinson 3 (für gelegentliche Trailausflüge habe ich mich für die ATR-Version entschieden) als gute Entscheidung: die Beschwerden verschwanden langsam wieder. Mittlerweile habe ich die Tortour, einen Marathon und unzählige Trainingsläufe (hauptsächlich Straße) hinter mich gebracht und insgesamt 620km abgerissen und bin überzeugt von diesem Schuh.

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Der Stinson 3 macht keinen Hehl aus seiner Haupteigenschaft: Vom Boden bis weit in die Wolkendecke hinein erhebt sich, leicht nach hinten aufschwingend, die Sohle, nur durch einen in der jeweiligen Designfarbe gehaltenen Zierstreifen unterbrochen. An ihrer dicksten Stelle unterm Innenknöchel hört sie erst nach sage und schreibe sechs Zentimetern damit auf und weicht endlich dem Obermaterial. Ein optisches nachdrücklicheres Versprechen, für Polsterung zu Sorgen, Polsterung und nochmals Polsterung, das durchaus gehalten wird, schon der Betrachter kann keinen berechtigten Zweifel daran hegen. Das Hoka-übliche Mesh-Material ist bis auf den Spann gepolstert und wird erst am Vorderfuß freigelegt, wo es durch eine kunststoffverstärkte Wabenstruktur eingehegt wird. Eine kleine Zehenkappe aus Kunststoffmaterial schützt den Fuß des Läufers vor seiner eigenen Ungeschicktheit. Die Zunge findet wie bei allen mir bekannten Hokas an den Schnürsenkeln Halt und ist ähnlich dick gepolstert wie der umgebende Einstieg und die Ferse. Eine sehr steife Fersenkappe schützt den rückwärtigen Fuß und bietet jede Menge Halt.

A propos: Meine ATR-Version hat ein durchaus auch auf dem Trail griffiges Profil, das natürlich nicht an “die großen” wie den Speedgoat o.ä. Geländemonster herankommt, doch auf leicht aufgeweichtem Boden kommt der Schuh durchaus gut mit. Mit 330 Gramm in Größe 42 2/3 ist er kein Leichtgewicht, aber definitiv leichter, als er aussieht!

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Pro:

  • Polsterung +: Kaum ein Schuh ist so weich und angenehm gepolstert, wie der Stinson. Dabei bemerkt man die Polsterung während eines Großteils seiner Laufstrecke gar nicht; erst, wenn es z.B. bergab geht und die Ferse zum Einsatz kommt, merkt man, wie die Sohle die Stöße der einzelnen Schritte auffängt – wofür ich stets dankbar war.
  • Dynamik und Kontrolle: Das Laufgefühl ist dabei niemals schwammig, indirekt oder undynamisch, der Schuh fühlt sich nicht anders an, als “normale” Laufschuhe wie z.B. Modelle von Asics.
  • Platz: selbst für einen Plattfuß wie mich bietet der Innenraum des Schuhs viel Platz, um sich zu entfalten. Keine Blasen, keine Schmerzen, kein Drücken, weder in der Zehenbox, noch am Fußgewölbe herrscht hier Gedränge. Auch nach 14 Stunden hat der Treter völlig neutral seine Aufgaben erledigt und den Fuß in Ruhe gelassen.

Contra:

  • Der Stinson ist ein unauffälliges, ein bisschen molliges und nicht sonderlich aufregend auftretendes Arbeitstier. Er macht seinen Job ohne großes Aufhebens. Ganz ehrlich, das ist schon das schlechteste, was mir zu diesem Schuh einfällt!

Wer sehr lang und weit rennen will, ohne seine Füße stark überzustrapazieren, findet einen gutmütigen, bequemen und viel Platz bietenden Schuh. Er sieht zwar – im Vergleich zum Clayton oder dem Speedgoat z.B. – nicht sonderlich fetzig aus und kommt in recht gedeckten Farben daher, aber so verhält er sich auch: maximal bequem, so unauffällig und auch leicht, dass man ihn kaum bemerkt und dabei doch dynamisch. Auch nach einigermaßen wahnwitzigen Distanzen verlässt der Fuß den Stinson wieder, ohne dass der Schuh ihm irgendein Leids getan hätte. Wer es also gern kuschelig hat, sollte sich diesen Schuh näher ansehen!

“Who wants to run forever?” Essen, Wetter und der Weg dazwischen.

Ein Sonntag Mitte Juli. In der Vorbereitung auf den RZR-Ultra Ende des Monats habe ich bereits Wochen zuvor einen kleinen Trainingsplan aus dem Ärmel geschüttelt. 30er, Halbmarathons, aber auch wenigstens ein Lauf mit mindestens 40 Kilometern (Aufgrund meiner Bestrebungen, die Balance zwischen Berg- und Straßentraining zu halten, wird es wohl auch bei einem bleiben). Nachdem ich in der vorletzten Woche erfolgreich einen Doppeldecker mit zwei 30k-Läufen absolviert hatte, kroch nun also der Tagesanzeiger langsam, aber gnadenlos jenem besagten Sonntag mit dem lapidaren, aber durchaus etwas bedrohlichen Kalendereintrag “40k” entgegen. Wie so oft bei Entfernungen, die man nicht mal eben so läuft, drängte sich gegen Beginn der letzten Woche die Frage der Streckenwahl auf. Die Strecke um Harkort- und Hengsteysee lässt sich zwar für einen 30er noch gut nutzen, sobald aber die vier ins Spiel kommt, bleiben einzig Runden übrig – beim besten Willen nicht meins. Meine bisherige Standardrunde hat mich von Wetter aus um den Kemnader See und zurück geführt, was mich dazu zwang, entweder einen beträchtlichen der Strecke hin und zurück zu laufen (was einer Runde nicht ganz unähnlich ist, zudem der gedoppelte Streckenanteil einige Trassenkilometer beinhaltet), oder aber etwa acht Kilometer des Rückwegs auf dem nicht mal einen Meter breiten Randstreifen der B226 zu laufen – auch keine schöne Erfahrung.

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Eine andere Möglichkeit musste also her. Vor dem “Route erstellen”-Screen von Gpsies.com sitzend, fiel mein Blick auf den Verlauf des Flusses, der dieser Region ihren Namen verliehen hat – warum nicht mit dem Zug zu einem der Flussnahen S-Banhöfe fahren und von dort aus über den Ruhrtalradweg zurücklaufen? Ich machte einige geeignete Stellen aus und entschied mich schließlich für Essen-Steele-Ost, etwa 42 Laufkilometer vom Wetteraner Bahnhof entfernt. Eine Bahnroute für den Sonntag war auch schnell ausgekaspert. Ich war hochmotiviert. Auf diese Weise war es nicht nur irgendein harter Langstreckenlauf, sondern auch ein kleines Abenteuer, so weit von zu Hause entfernt aus einem Zug zu springen und rennend die Heimreise anzutreten, zudem ich Basti hatte überzeugen können, spätestens auf der Stadtgrenze zwischen Bochum und Hattingen, etwa bei Kilometer 19, zu mir zustoßen und für eine Weile mitzulaufen. Als Streckenabschnitt der Tortour de Ruhr war mir meine Laufroute – zwar in der Gegenrichtung, aber dennoch – wohlbekannt; ich freute mich, beim Laufen einige Erinnerungen an die Zeit mit Frank vor zwei Monaten zu wecken.

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Noch leicht besorgt, ob es warm genug sein würde, stand ich schließlich am Sonntag um kurz vor zehn am heimischen Bahnhof (zur Sicherheit hatte ich ein langes Thermoshirt eingepackt). Es war etwa 21 Grad warm; die Luft wirkte bereits um diese Zeit recht feucht. Da es aber nicht unbedingt trocken bleiben sollte, war ich nach wie vor nicht sicher, ob ich bei Regen nicht doch frieren würde. Das, so wurde später sehr schnell klar, war kein Problem, mit dem ich an diesem Tag konfrontiert werden würde… Die Bahn schaffte es auch noch, die halbstündige Fahrt zum Essener Hauptbahnhof so weit zu verzögern, dass mir der Anschlusszug vor der Nase wegfuhr – eigentlich hätte ich ja zehn Minuten Zeit gehabt… Vielleicht war ich aber auch nur tiefgefroren und deswegen nicht schnell genug, denn im Zug schien jemand die Klimaanlage auf “nächste Eiszeit bitte!” eingestellt zu haben. Zum Glück kam der nächste Zug bereits 20 Minuten später, so dass ich gegen elf endlich in Steele-Ost aus dem Zug sprang und keine Zeit verlor; irgendwie war ich froh, den Rückweg zu Fuß anzutreten.

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Nachdem ich die Ruhr am Bootshaus Ruhreck überquert hatte, folgte ich der ersten Ruhrschleife in Richtung Dahlhausen. Dieser Abschnitt ist ein wenig abgelegen, der Weg relativ eng, wie der Fluss selbst. Bereits hier fing es leicht zu nieseln an, doch hörte es ebenso schnell wieder auf. Zwanzig Minuten später fielen allerdings bereits die nächsten Tropfen, und eine dunkle Wolke machte deutlich, dass es vermutlich nicht dabei bleiben würde. Ich trotze dem stärker werdenden Regen noch bis etwa Kilometer sechs, doch dann wurde es so unangenehm, dass ich in die Regenjacke schlüpfte. Keine gute Idee, wie ich bald feststellen musste, denn durch den Regen war die bereits zuvor deutlich gesteigerte Luftfeuchtigkeit nicht eben besser geworden. Nachdem nach nicht einmal zehn Minuten der Regen deutlich weniger geworden war und an der Dahlhausener Schwimmbrücke bereits ganz aufgehört hatte, war ich in meiner Jacke nicht weniger nass geworden. So machte ich erneut halt und stopfte die Jacke wieder zurück in den Rucksack. Nun die lange S-förmige Doppelschleife bis Hattingen durchlaufend, war ich schon überzeugt, in der Nacht von Radfahrern und Kanuten zu träumen (was will man an einem Sonntag auf einem Radwanderweg auch erwarten?). Von beiden Gruppen wurde ich selbst mit großem Interesse gemustert, so das ich mir manchmal ein wenig wie ein besonders seltenes Insekt vorkam…

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Im Wodantal lief ich den selben alten Leinpfad-Abschnitt mit Kopfsteinpflaster, wie bei der Tortour mit Frank, ich konnte ihn fast wie damals vor mir herlaufen sehen! Als ich Hattingen erreichte und über die Brücke an der Bochumer Straße die Ruhrseite wechselte – es war mittlerweile Mittag – war es so schwül geworden, dass mir der Schweiß nur so den Rücken herunterlief. Der hintere Teil meiner Hose klebte mir bereits komplett durchnässt am Gluteus. Eine Tatsache, die mich immer ein bisschen weinerlich macht. Während auf dem gegenüberliegenden Ufer die Henrichshütte an mir vorbeizog, begegnete ich den ersten Pokemon-Go-Spielern, die ich bislang gesehen habe; sie passten definitiv in die Kategorie der Menschen, die das Spiel erstmalig von der Couch auf einen Spaziergang getrieben hat, was mich zu der Überzeugung brachte, dass beim Start der App ein kleines Tutorial für die Benutzung von Rad- und Gehwegen eingeblendet werden sollte. Während ich in die Rauendahlstraße einbog und mit Basti telefonierte, der mich unter der “Koster-Brücke” abpassen wollte, war die Kleidernässe bereits entlang meiner Hüftknochen nach vorn gewandert. Kurz vor dem Erreichen des Treffpunkts waren nur noch die äußeren Viertel meiner Oberschenkel trocken. Auch meine stabile sechser Pace hatte ein wenig unter der Waschküchenluft gelitten. Wenige Minuten später lief ein frischer und hochmotivierter Basti seinem sichtlich angegriffenen Laufpartner entgegen. Ich nutzte eine kurze Gehpause zum Nachfüllen der Flaschen, berichtete kurz und tropfend vom bisherigen Verlauf und trieb mich wieder in einen gemäßigten Laufschritt. Schwatzend machten wir uns an den schönen Abschnitt bis zum Kemnader See, den wir – nun unter gelegentlich mitleidigen Blicken vieler entgegenkommender Spaziergänger – auf der Bochumer Seite umrundeten. Vereinzelt kam die Sonne heraus, zudem stand die Luft hier und war wirklich zum schneiden, so dass ich an meinen Tiefpunkt kam – wie ich fand, nach bereits 27km zu früh; das Wetter und die Tatsache, dass ich in den letzten Monaten fast nur bis 30km gelaufen war, schienen mir aber Erklärung genug. Bis zur Schleuse am Fähranleger lief ich nur noch auf die zwanzig Minuten zuvor besprochene Pause hin weiter. Eine von einer gleißend hellen Gloriole umstrahlte, eiskalte Cola erschien bildfüllend vor meinem geistigen Auge. Die Bestellungen dieser beiden klatschnassen Läufer (“Eine Currywurst und ein Malzbier bitte” – “Ich nehme ein alkoholfreies Weizen und zwei Cola!”) irritierten den Mann im Bootshaus deutlich. Kurz darauf ergoss sich ein weiterer, ergiebiger Schauer über das Ruhrtal, so dass wir uns mit in das kleine Zelt drängten und die zehn Regenminuten pausierten. Ich war froh, dass Basti, der zuletzt ein paar Fußprobleme gehabt hatte, gut klarkam und mich bis ins Ziel begleiten wollte.

Mit colagefüllter Trinkflasche und leicht erholt machten wir uns schließlich auf den Weg entlang der Herbeder Straße und bogen an der Zeche Nachtigall auf die Trassenstrecke nach Wengern ein. Ich trieb mich an, den Laufschritt zu halten, die nächste Gehpause am Aufstieg vom Fluß- auf das Straßenniveau kurz vor dem Wengeraner Ortseingang vor Augen. Nachdem wir wieder auf den Radweg eingebogen waren, begann das fiese letzte Stück. Die letzten vier Kilometer ziehen sich immer wie Kaugummi, nach jeder Kurve erwartet man, die neue Ruhrbrücke am Ortseingang von Alt-Wetter zu sehen und wird enttäuscht. Doch selbst dieser Abschnitt endet irgendwann und ich gönnte mir auf der langen Rampe bis auf die Brücke eine letzte Gehpause. Basti hatte begonnen, bekannte Lieder an die Situation anzupassen und anzusingen, darunter Titel wie “You’re just a private runner, running for money, dadadadaaa, dadadaaa”, oder “Who wants to run forever?”, verbunden mit der Ankündigung “je länger wir noch brauchen, desto länger werde ich noch singen!”

Oben abgekommen, liefen wir den letzten Kilometer bis zum Kreisverkehr unterhalb des Café Bonheur (ein großartiges Café übrigens, das man unbedingt mal besucht haben sollte, wenn es einen in die Gegend verschlägt!). Basti konnte endlich mit dem Singen und ich mit dem Laufen aufhören. Done. Ich fuhr Basti – nicht ohne eine weitere Flasche Cola, die wir an der nächsten Tankstelle besorgten – nach Hause und duschte, endlich daheim angekommen, solange, bis meine Fingerspitzen schrumpelig geworden waren. Nach einer kurzen Pause auf der Couch trafen wir uns am Abend beim Italiener wieder, wo wir uns reichlich und wohlverdient stärkten und das Wochenende ausklingen ließen.

Obgleich der Lauf wirklich anstrengend war – es ist gemein, wenn man als ohnehin stark schwitzender Mensch durch hohe Luftfeuchtigkeit noch weniger gekühlt wird – hat er richtig Spaß gemacht! Ich bin um ein Vielfaches angefixt, lange Strecken zu laufen und freue mich auf den RZR-Ultra, den Basti und ich in zwei Wochen angehen wollen. Zuvor startet aber am kommenden Sonntag noch mein Four-Cities-Gruppenlauf über meine liebsten Trails – viel zu tun also. Ich kann nur jedem empfehlen, sich von den immegleichen und gewohnten Laufstrecken zu lösen und hin und wieder ein kleines Abenteuer anzugehen, das kann sehr motivierend sein!

Four Cities Trailrun

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Spätestens “UWE” (Link zu meinem eigenen Bericht) hat gezeigt, dass man auch hier am unscheinbaren, südlichen Rand des Ruhrgebiets durchaus auf seine Kosten kommen kann, was Steigungen, Gefälle, Matsch und Singletrails angeht. Als Lauf auf einer “kleinen Strecke” angelegt, die alles aus den Möglichkeiten des Harkortbergs herausgeholt hat, was man dem Trailläufer antun kann, hat “UWE” dennoch nur die Spitze des Eisbergs offenbart. Das Revier zwischen Wetter, Witten, Herdecke und Dortmund ist zwar durch die Zersiedelung der Ardeyausläfer nicht hundertprozentig geschlossen, aber es bietet ohne Probleme 55 Kilometer abwechslungs- und variantenreiche Trailstrecken. Der Gruppenlauf Ende Juni und das positiv überraschte Feedback vieler Teilnehmer hat mich in der schon länger gereiften Idee bestärkt, selbst einzuladen und einige meiner Lieblingsstrecken abzulaufen. Dementsprechend habe ich basierend auf meinen bisherigen Erfahrungen eine optimierte Variante meines “Four Cities” getauften Traillaufs erstellt. Der 35-Kilometer-Kurs führt uns über etwa 1100 Höhenmeter und (wie der Name schon sagt) durch vier Städte. Er bietet sehr abwechslungsreichend Untergrund. Von Waldautobahnen bis zu tiefen Schlammlöchern und schönen Singletrails und steinigen Abschnitten ist so ziemlich alles dabei – leider auch ein paar Kilometer Asphalt, ohne geht es leider nicht – aber wir sind eben nicht im Bergischen oder im Sauerland 😉

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RZR-Ultra – zwei Typen gegen 56km

Ich lebe in einer Region, die jahrzehntelang durch die Arbeit geprägt worden ist. Schwere Arbeit in Kohlebergwerken und Stahlwerken und in der damit zusammenhängenden Industrie. Arbeit, die kaputtmacht. Arbeit, von der die meisten von uns heute nur noch (alb-) träumen können. Der Vorteil dieser Geschichte des Ruhrgebiets ist aber, dass man sich hier zum Einen schon vor Jahrzehnten Gedanken um Naherholung gemacht und mit den Ruhrseen und später den Radwanderwegen Orte geschaffen hat, die ganz bewusst auf Regeneration und Freizeitgestaltung ausgelegt war. Hinzu kam noch ein Netz an kleineren Erzbahntrassen, das die Landschaft und auch die größeren Städte durchschnitt und viele Orte miteinander verbindet. Auch diese Trassen sind mit dem Strukturwandel dem Radwegenetz der Region einverleibt worden; abschnittsweise dauert der Ausbau bis heute an.

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“Lasst mich einfach hier liegen!” – UWE 2016

Ich habe es ja schon tausendmal gesagt: mein netter Kleinstadtberg im Ardeygebirgsausläufer ist ein top Revier! Nun hat man das bei der “Laufschule Dortmund” erkannt und unter dem Titel “Ultratrailrunning in Wetter” (UWE) eine erste Schnupperrunde durch “meinen” Wald aufgelegt. Das begrüße ich natürlich auf’s Schärfste und war selbstverständlich mit von der Partie!

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Im Kreis durch die Ödnis – Vivawest-Marathon 2016

Ich quäle mich die Anhöhe auf den Nordsternplatz hinauf. Durch meine eigene Musik hindurch wummert der Bass der Band, die auf der Bühne spielt. Ich biege um die Ecke und sehe die lange Gerade, die in den Park führt. Die Beine schmerzen. Die jubelnde Menschenmenge, der Lärm der Musik, die Durchsagen die von einer Gallerie über dem 36km-Punkt gemacht werden, um die Läufer zu pushen, all das scheint von weit weg auf mich einzudringen.  Ich laufe nur noch auf den nächsten Versorgungspunkt zu, den ich durch den 36-km-Bogen bereits ein Stück weiter hinten sehen kann.

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Die Vorbedingungen waren an sich nicht gerade ideal für einen Marathon mit hoher Intensität, denn die Vier Wochen Trainingszeit, die mir blieben, zielten auf die Tortour ab und waren auf reine Streckenbelastung ausgelegt. Zwar hatte ich mit einem Dreißiger zu Beginn, mehreren HM unter hoher Intensität und einem weiteren 30 zu Ende der Vorbereitungszeit durchaus etwas “Tempohärte” aufbauen können, doch fehlte mir der klassische 36er Lauf mit Endbeschleunigung und überhaupt jedwede Ausrichtung auf Langstreckentempo. Einzig die Tatsache, dass ich vor Monaten bereits zwei 40er mit etwa 6:00 Durchschnittspace gelaufen war, kann sicherlich angerechnet werden. Allerdings lag dazwischen einige Zeit an Krankheits- und Verletzungspausen.

So ließ ich mir bis vier Tage vor dem Lauf Zeit, um zu entscheiden, ob ich die volle Distanz, den halben, oder nur eine Trainingsrunde auf der Hausstrecke laufen würde. Die Regeneration lief allerdings so gut, dass ich mich tatsächlich am Freitag in Gelsenkirchen wiederfand, wo ich die Startunterlagen abholte. 53€ Startgebühren etc. verfallen zu lassen, war mir dann doch zu viel. Zudem hatte ich so viel auf Straße trainiert, dass ich das Ding jetzt auch noch mitnehmen konnte. Auch, wenn ich bei der Tortour bereits nahezu das doppelte gelaufen war, ist die Belastung bei einer Durchschnittspace von 10:30 (inkl. Pausen) doch ganz anders, als bei einem Marathon im Wettkampftempo. Dementsprechend hatte ich schon einigen Respekt vor dem Lauf.

Am Sonntag kam ich schließlich gut ausgeschlafen in Gelsenkirchen an, gab meinen Beutel an der entsprechenden Stelle ab (vielleicht waren die Wege ein bisschen lang, aber die Organisation fand ich insgesamt gut) und reihte mich in meiner Startbox in das Feld der Wartenden ein. Ich startete recht weit hinten mit der zweiten Welle, was ich zunächst nicht gut fand; am Ende hat es sich aber durchaus als mentaler Vorteil herausgestellt. Nachdem der Pulk sich leicht aufgelockert hatte, lief es ziemlich gut. Die Uhr schwankte zwischen 5:10 und 5:25, weswegen ich mich ein wenig zur Ruhe anhalten und das Tempo leicht drosseln musste. Dennoch lief ich etwa auf dem 30er-Tempo von 5:30-45, was ich nach wie vor für zu schnell hielt. Bei den ersten Versorgungspunkten griff ich zum Wasser, was mich regelmäßg dem Erstickungstod nahebrachte: die Becher waren zu steif und zu groß, so dass man den Rand nicht zu einer Schnabeltasse biegen und vernünftig während des Laufens daraus trinken konnte. Ab dem dritten VP versuchte ich dann den angebotenen Energydrink, der in kleineren Pappbechern gereicht wurde, was deutlich besser funktionierte.

So ging es durch die klassischen Ruhrgebietslandschaften: ein wenig Natur, Industriegebiete, große Verkehrsachsen mit Tankstellen und Fahrzeugteile-Händlern, über Firmengelände, zu Radwegen ausgebaute Erz- und Kohlebahntrassen, durch eine Einkaufsgallerie und durch Innenstädte, und, überraschenderweise, auch über einige kurze, aber knackige Steigungen. Ich muss sagen, dass einige Abschnitte – besonders die Trassen und die Bundesstraßen – wirklich öde waren. Zum Glück lagen die zumeist noch in der ersten Hälfte.

Nach der Halbmarathon-Marke hatte sich das Feld deutlich auseinandergezogen und ich lief größtenteils allein, nur noch überholt von Läufern der Schülerstaffel. Langsam mehrten sich die Läufer, die Gehpausen einlegten; bis zur 30-km-Marke wuchsen sie auf etwa die Hälfte der vor mir auftauchenden Läufer an. Und: es gab tatsächlich weitere Läufer, die noch mehr zu kämpfen hatten, als ich, denn obwohl ich gegen eine langsam, aber sicher lauter werdende innere Stimme anlaufen musste, die mich zu Gehpausen aufforderte, überholte ich mehr Leute, als ich gedacht hätte. Kurz vor der 30 ging es wieder durch Wohngebiete, und der ersehnte VP kam in Sicht. Er wurde meist angekündigt durch die Menge der wartenden Schüler-Staffelteilnehmer, die mich schließlich frisch und in forschem Tempo überholten, während ich eine kurze Gehpause einlegte, um meine Cola zu trinken. Da bereits das schon nicht gut für die Laune war, war ich wirklich froh, hinten aus der zweiten Welle gestartet zu sein.

Von nun an war es ein ständiges Hangeln von VP zu VP. Die Uhr zeigte mittlerweile eine Abweichung von etwa 500 Metern an, was mir mental zunehmend zusetzte und jede ersehnte Kilometermarke zusätzlich weiter weg erscheinen ließ. Aber komm, nur noch drei Kilometer bis zum nächsten VP. Und noch vier mal drei bis zum Ziel. Lauf das durch, vielleicht bei 38 mal ein paar Minuten Gehen.

Schließlich der Nordsternpark. Am VP mache ich wieder meine Gehpause, die etwas länger geworden ist, weil ich mittlerweile immer gleich zwei Becher Cola nehme. Ich verschnaufe noch kurz, und fluche dem an mir vorbeispurtenden Staffelteilnehmer innerlich hinterher. Die Schmerzen beim Anlaufen sind deutlich größer, als die, die sich danach einstellen, doch ich bin ziemlich fertig. Nur noch sechs Kilometer – oder zwei mal Cola, wie ich innerlich zu rechnen begonnen habe. Auf der langen Geraden nehme ich sogar wieder gutes Tempo auf. Ich komme sogar wieder auf unter sechs Minuten. Doch ich rufe mich zur Ordnung. Es ist noch weit und jede Unebenheit schmerzt. Umso schlimmer ist der Weg aus dem Park auf die Straße, der abschüssig und kopfsteingepflastert ist.

Die Kilometerschilder kriechen an mir vorbei. Ich schlage bei jedem Schild mit der Hand an, was mir ein wenig Auftrieb gibt. Wieder einen vernichtet! Auf der Hans-Böckler-Allee komme ich an einer großen Party vorbei, deren Teilnehmer durch vier Stunden Feiern teilweise ähnlich angeschlagen wirken, wie die Läufer. Großer Jubel und aufmunternde Rufe kommen aus der Menge und sorgen für zusätzlichen Anschub – zudem ist die Straße jetzt leicht abschüssig. Als ich um die Ecke in die Feldmarkstraße einbiege, weiß ich zum ersten Mal, wo ich bin. Es ist wirklich nicht mehr weit! Die Leute an der Ecke jubeln mir zu, mein Name wird über Lautsprecher gerufen und kurz hinter der Kurve ist bereits das Schild mit der magischen “41” in Sicht. Also los. Ich schalte in einen schnelleren Gang. Was an Körnern jetzt noch da ist, gehört auf die Straße. Wenig später kommt die Mulde in Sicht, die die Straße unter den Bahngleisen hindurchführt. Ich zögere kurz und beschleunige im Gefälle. Laut stöhnend laufe ich mit allem, was da ist. Nur noch um die Ecke, dann ist bereits das Ziel in Sicht! Leute rufen meinen Namen, ich stöhne, aber ein Teil von mir staunt schon ungläubig, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Die Leute jubeln und schließlich erklingt das Piepen der Zeitnahme-Matte. Schwer atmend gehe ich weiter in Richtung Verpflegungsmeile, bekomme eine Medaille in die Hand gedrückt und brauche noch einige Minuten, bis ich wieder bei Atem bin. Ich trinke gleich zwei Becher Cola und nehme zwei weitere mit in Richtung Sanitätsbereich, wo ich meine Leute besuche. Viele erkennen mich erst gar nicht und schauen ein wenig mitleidig, aber auch anerkennend.

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Nach ein paar Minuten gehe ich dann den leicht gequälten Schritt des Marathonies zur Gepäckaufbewahrung. Ein weiter, weiter Weg. Für die Strecke von der Turnhalle bis zur Straßenbahn brauche ich, obwohl ich so schnell gehe, wie ich kann, etwa 18 Minuten. Als ich an die Unterführung an der Florastraße komme, bin ich dem Mann, der die Rolltreppe erfunden hat, unendlich dankbar! An der Haltestelle steht bereits eine der Sonderbahnen, die nach einigen Minuten losfährt. Der Fahrer sagt kurz die angefahrenen Haltestellen durch und sorgt für gute Stimmung: “Sagen sie, ich habe gehört, man kriegt Freibier, wenn man durchs Ziel läuft, ist das richtig? Weil, dann würde ich mir das auch mal überlegen. Nüchtern hält man das ja nicht aus! – Ach, alkoholfreies Bier? Wer macht denn sowas? Ein bisschen verrückt sind Sie ja schon alle, oder?”

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Ich kann meine Teilnahme am Vivawest-Marathon wohl als großen Erfolg werten. Trotz denkbar schlechter Vorbereitung und trotz einer eine Woche zuvor gelaufenen Ultra-Distanz habe ich mich den Umständen entsprechend sehr gut geschlagen. Der Lauf hat, trotz öder Abschnitte und der Schmerzen am Ende, wirklich Spaß gemacht, die erreichte Zeit hat meine Erwartungen übertroffen. Ich bin wieder dem Leiden auf einem langen Lauf begegnet und habe wertvolle Erfahrungen sammeln können, die mich sicherlich weiterbringen werden. Zudem habe ich sowohl Respekt, als auch ein gewachsenes Selbstbewusstsein gewonnen, was meine Leistungs- und Regenerationsfähigkeit angeht. Dafür spricht auch, dass ich – abgesehen von leichten Muskelschmerzen – am nächsten Tag keine größeren Probleme hatte. Die klassischen Probleme beim Treppensteigen etc. haben sich nicht eingestellt. Ein erster, langsamer Regenerationslauf war auch sehr angenehm, und ab der nächsten Woche werde ich nochmal ein wenig knüppeln, bevor ich mit meinem Korsikaurlaub zwei Wochen Auszeit einlege. Das wird meinem Körper sicher mal gut tun!